Lucklum
Von Evessen kommend fahren wir anschließend weiter auf der Hauptstraße
Richtung Braunschweig und biegen nach gut einem Kilometer rechts ab nach Lucklum.
Lucklum wurde 1051 unter dem Namen
Lucgenheim gegründet. 1263 errichtete hier der Deutsche Ritterorden(1) eine Landkommende (Einheit der Ordensverwaltung)
als Sitz der Ballei Sachsen (Ober- und Niedersachsen). 1281
wurde das Anwesen zu einer Burg umgebaut. Der
jetzige Kirchturm diente früher als Wehrturm(2). 1809, nach Aufhebung des Ordens durch Napoleon,
wurde die Anlage 1811 an den Amtmann Wahnschaffe verkauft.
Von der Burg stecken nur noch Reste von den im 30-jährigen Krieg (1618 bis
1648) zerstörten und von Daniel Priort erneuerten Gebäuden.
Das in der Kirche Priort darstellende Alabasterstandbild(3) von 1683
hält die einzig erhaltene
Ordensfahne in der Hand und wird umgeben von 43
auf Metallplatten gemalten Wappenschilden aller Ritter, die bis 1804
in den Orden aufgenommenen wurden.
Auffällig ist, dass weder eine Apsis noch ein Chor zu finden sind. Der rechteckige Raum lässt vermuten, dass die Kirche auf den Grundmauern eines ursprünglichen Wehrturms errichtet wurde.
Die gesamte Ausstattung der Kirche samt Kruzifix(4)
erfolgte durch den Nachfolger Priorts, Friedrich Maximilian von Stayn,
und gehört überwiegend in die Zeit um 1700.
Staunend betrachten wir die Decke mit ihren 24
Kassetten-feldern und die zahlreichen Bildfelder an der Kanzel
und den Emporen(5). Sie
alle zeigen überraschend keine religiösen Motive. „Sie haben keinen erbauenden Sinn, sondern sind Moral- und
Gotteslehren, christliches Gedankengut in aufgeklärter Form. Das Ganze ist ein
Werk rationalistischen Geistes, ein Art Vor-Aufklärung mit den Bildmitteln barocker(6) Zeichensprache“ (aus Deutschordenskommende
Lucklum von Christof Römer). Und somit ist es nicht überraschend, z.B. vor der
Abbildung einer Weinpresse zu stehen.

Und es ist unvergesslich, ein Konzert auf der um 1800
errichteten Orgel mit zu erleben.
Übrigens setzte der spätere Landkomtur Otto Dietrich von
Bülow sich schon zu Lebzeiten sein in der Kirche erhaltenes Grabmal.
Nach seinem Tod musste nur noch das Sterbedatum ergänzt
werden. Loriot
(Wum und Wendelin), auch einer derer
von Bülow, lässt grüßen.
In dem von Freiherr Grote und Christof
von Hardenberg von 1732 bis 1753 eingerichtetem
Rittersaal
erinnern noch 57 hochwertige Ölbilder
an den Orden und das Welfenhaus. Neben den Braunschweiger
Fürstenpaaren Herzog Anton Ulrich (gestorben 1714) bis Herzog Karl Wilhelm
Ferdinand (gestorben 1806) und die Lucklumer Komture von Priort
(gestorben 1684) bis Phillip Otto Münchhausen, der 1809 abdanken
musste, sind hier alle vertreten.
Vom Rittersaal sind noch ein Billardzimmer mit „arsenhaltigen“
Tapeten und ein fürstlicher Wohntrakt zu erreichen. Übrigens sollen Arsen
zu Napoleons Tod geführt haben, da er sich zu oft in Räumen mit derartige
Tapeten aufgehalten haben soll. Sagte man uns bei der Führung.
Der
Deutsche Ritterorden(1), sein
Hauptanliegen war und ist die christliche Nächstenliebe, wurde 1190
im „Heiligen Lande“ gegründet, wandte sich später dem Protestantismus
zu, und wurde 1809 aufgelöst. 1834 wurde der Orden von Wien aus
wieder ins Leben gerufen. 1962 bestanden ca. 30 Niederlassungen
in Deutschland. Damaliges Ordenskleid: Weißer Mantel mit schwarzem Kreuz,
die späteren preußischen Landesfarben.

Und noch eine Anmerkung: Die Lindenallee (von der Straße
Braunschweig / Schöppenstedt Richtung Kirche verlaufend) wurde 1786
angelegt. Wandeln Sie auf den Spuren der letzten Ritter!
Und hier ein Tipp: Anlässlich des alljährlichen „Tages des offenen Denkmals“ sind die Kirche und der Rittersaal zu besichtigen. Und wenn Sie Glück haben, können Sie auch ein Orgelkonzert an diesem Tag genießen!
Lucklum zu verlassen,
ohne dort Herrn Werner
Mühlenberg, den
"Snakeman of Brunswick"
besucht zu haben, ist schon fast ein Vergehen. Am Ortseingang fällt uns
auf der linken Seite sofort
die Töpferei
mit ihren zahlreichen und kaufenswerten Angeboten ins Auge.
Doch nur wenige Meter weiter, am anderen Ende des alten Fachwerkhauses, führt durch eine schmale Tür der Weg in die Werkstatt und den kleinen Verkaufsraum eines Kerzenmachers der besonderen Art.
Hier entdecken wir Kerzen, die wahrscheinlich und hoffentlich niemals ihrer Bestimmung zugeführt werden. Denn allesamt sind Kunstwerke. Es gibt nur wenige Tierarten, die Herr Mühlenberg nicht aus Wachs geschaffen und dann in "Banausenart" -es tat uns schon weh- mit einem Docht versehen hat.

Am auffälligsten sind die
zahlreichen Schlangen. Große und
kleine, schlichte und farbige, alle einer natürlichen zum Verwechseln ähnlich.
Und wer Glück hat, kann Herrn Mühlenberg, so wie wir, bei der Arbeit über die
Schultern schauen und die "Geburt" unserer (siehe unten) Schlange
miterleben.
Und es verwundert nicht, dass der Snakeman seine Kunstwerke in alle Welt verkauft und sich somit als Künstler einen hervorragenden Ruf erworben hat.
Übrigens erworben; natürlich freut sich Herr Mühlenberg ganz besonders, wenn Besucher nicht nur seine Werke bewundern sondern auch erwerben.
Und das zu keineswegs überzogenen Preisen. Denn schließlich ist diese hohe Kunst der Kerzenmacherei sein "Broterwerb".


Und hier rekelt sich unsere Schlange, auf den Docht haben wir verzichtet, auf der Anrichte in unserem Wohnzimmer. Im Gegensatz zu den wirklichen Schlangen sollte man sie jedoch nicht allzu großer Wärme aussetzen.
Noch mehr über die Vielfalt der Produkte erfahren Sie unter http://www.snakemanofbrunswick.de/.
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(1) Deutscher Ritterorden |
Religiöser
Zusammenschluss von Kriegern im Zuge der Kreuzzugsbewegung des 11./12. Jh. zur
Bekämpfung der Glaubensfeinde; bedeutende Ritterorden waren der Templerorden,
der Johanniterorden (Malteser), der Deutsche Ritterorden und der
Schwertbrüderorden. |
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(2) Wehrturm |
Wehrkirche, ein zur Verteidigung eingerichtetes
Gotteshaus mit einem Chorturm als wehrhaftem Kern; wurde nicht selten zur Kirchenburg
(Kirchenkastell) mit Wehrgang und Zwinger sowie Bauten zur
Vorratshaltung ausgebaut. |
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(3) Alabaster |
Marmorähnliche,
feinkörnige, reinweiße, durchscheinende Art des Gipses. |
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(4) Kruzifix |
Die
plastische Darstellung des gekreuzigten Christus, meist Skulpturen aus Holz;
auch gemalte Darstellungen. |
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(5) Empore |
In
der kirchlichen Baukunst über den Seitenschiffen gelegenes, zum Kirchenraum
geöffnetes galerieartiges Obergeschoss. |
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(6) Barock |
Kunststil
von etwa 1600 bis 1750 in Europa, charakterisiert durch Formenreichtum
und üppige Verzierungen. |
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